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> Video Scrap (3 Min / 11,9 MB)

 

 

> Video1 Links gehen (3,4MB)
> Video2 Links gehen (2,2MB)

 

> Video "le vol - part 1" ( 4 Min / 13MB )

 

> Video "le vol - part 3" (2 Min / 6MB)

 

SCRAP

Ana Maria Rodriguez - Idee, Komposition, Live-Elektronik
Andrea Neumann - Komposition, Inside Piano
Steffi Weismann - Komposition, Live-Video

Uraufführung am 10.Sept. 2004 im Konzerthaus Berlin
Produktion: KNM, Fotos: Uwe Walter
gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds
weitere Aufführungen: Okt 2004, Centro Experimentatión Teatro Colon, Buenos Aires
Juni 2005, Konzerthaus Wien
, Video-Konzerte der bgnm, TESLA Berlin 2005
Dauer des Stückes ca. 23 minuten

Den Ausgangpunkt von SCRAP bildet das Rudiment des bürgerlichen Konzertflügels, ein mit Saiten bespannter Klavierrahmen, entkleidet von Tasten, Mechanik und Holzverkleidung. Um die Klangmöglichkeiten dieses quasi nackten, dekonstruierten Instruments zu erweitern, ergänzte Andrea Neumann neue Elemente wie Ablagen, Präparationen, Mischpult, Mikrofone und Pick-ups. Mit Ana Maria Rodriguez (Computer) und Steffi Weismann (Video) wird diese bereits begonnene Erweiterung durch die Hinzunahme zwei weiterer Medien potenziert. Im Trio wird ein räumlich gedehntes visuell-akustisches Porträt des Inside Piano geschaffen.
Der Verlauf des Stückes ist geprägt von gleichberechtigten Einzelstimmen, die sich zueinander in verschiedenen Modi verhalten: synchron, einstimmig/mehrstimmig (abweichend in Tempo, Textur, Struktur und Farbe) solistisch/begleitend, einander folgend/eigene Impulse setzend. In diesem Sinne ermöglicht das Andocken des Instruments an den Audiocomputer von Ana Maria Rodriguez Transformationen und klangliche Verfremdungen in feinsten Schattierungen und verwirrende Verschiebungen der musikalischen Zeit. Die Bildebene von Steffi Weismann vergrößert das Instrument und fokussiert oder verfremdet die Details der Klangerzeugung. So kann man auf zwei Leinwänden in Großaufnahme sehen, wie etwa ein Metallbesen oder ein Propeller die Saiten in Schwingung versetzt. Der Wechsel zwischen der Live-Kamera und dem vorher gefilmten Material steht dabei in engem Bezug zum musikalischen Live-Spiel. Von der Synchronität abweichende Zeitstrukturen und Bildrhythmen lassen dabei die Eigenständigkeit der visuellen Stimme bewusst werden.

 

Links gehen - Rechts stehen

Ana Maria Rodriguez - Konzept, Komposition, Live-Elektronik
Steffi Weismann - Konzept, Live-Video
Andre Bartetzki - Interaktive Programmierung
Version 2004: mit Rebecca Lenton - Föte, Winfried Rager - Klarinette, Gudrun Reschke - Oboe, Robin Hayward - Tuba
Version 2006: mit Lucia Mense - Flöten und Lucio Capece Sopransaxophon und Bassklarinette

UA am 12. 6. 2004 bei “space + place” Oberbaumcity Berlin
gefördert von der Bundeskulturstiftung
weitere Aufführungen: Festival "Musique-Action" Vandouevre (F),"Intersonanzen" Potsdam 2004, Festival "Kontraste" Krems 2006
Dauer der Live-Version: 18 Minuten
Dauer der DVD-Version: 7 minuten

"Links gehen - Rechts stehen" thematisiert die Bewegungsmuster von Menschen in Transiträumen. Solche Räume zeichnen sich durch Piktogramme und „Verkehrsregeln“ aus, die den Passanten die Durchquerung von A nach B oder C erleichtern sollen. Die Konditionierung verschiedenster Individuen auf ein geregeltes Verhalten gewährleistet jedoch vor allem den reibungslosen automatisierten Verkehrsfluss. Die argentinische Komponistin Ana Maria Rodriguez beobachtete ein Personenlaufband im Flughafen Zürich und war verblüfft, wie strikt die Verkehrsregel „Links gehen – Rechts stehen“ dort eingehalten wurde. Sie fand in Steffi Weismann eine Partnerin, die mit ihr das Thema weiter bearbeitete und die das visuelle Konzept für ein Live-Konzert entwickelte, das eine direkte Interaktion zwischen Klängen und Bildern beinhaltet.
Die akustische Ebene besteht aus Instrumentalstimmen, die ähnlich wie die Fortbewegung der verschiedenen Menschen auf dem Laufband - leichtfüßig, schwerfällig, eilig, geduldig usw. durch die zeitliche Struktur ihrer Bewegungsabläufe charakterisiert sind. Der Tonraum der Blasinstrunmente wird ins Geräuschhafte erweitert und von der elektronischen Stimme aufgegriffen und gefiltert. Über die Live-Elektronik werden diese Klänge über ein sechskanaliges Lautsprechersystem um das Publikum herum durch den Raum bewegt.
Das Video zeigt Personen oder Gruppen, die das Laufband passieren sowie animierte Flughafen-Piktogramme, die - teils im Original teils in leicht manipulierter Form - subtile Kommentare setzen. Die Musiker sitzen vorne links und rechts neben einer breitformatigen Leinwand und können durch akustische Impulse über die Mikrofone auf die Videosteuerung Einfluss nehmen. Einzelne Bildelemente können durch sie getriggert und durch mehrere Bildfenster bewegt werden. Die live-elektronische Verschränkung von Bild- und Ton vermittelt den Eindruck eines ferngesteuerten Systems, das eine eigensinnige Logik und Poesie entwickelt.

 

le vol

audiovisuelle Performance in drei Teilen
von Steffi Weismann und Annettte Krebs (2005-2007)
Steffi Weismann: Live-Video, Stimme, Aktion, Soundobjekte, Textprojektionen
Annette Krebs: Elektrische Gitarre, Mischpult, Aktion, Sampling, Soundobjekte
UA: Lem Festival Barcelona 2006
Dauer: 45 min.


Mit dem Projekt "le vol" (franz. der Diebstahl, der Flug) beleuchten Annette Krebs und Steffi Weismann die Eigentumsfrage aus ungewöhnlichen Perspektiven. In Form einer dreiteiligen Live-Performance konstruieren sie aus Klang-, Bild- und Textelementen eine intermediale Arbeit, die einen Bogen vom Warenhausdiebstahl, über ein Comic-Fragment mit fliegenden Objekten, bis zum Umgang mit geistigem Eigentum spannt.

Die Videoaufnahmen des ersten Teils zeigen, wie sich die beiden Künstlerinnen durch die Warenwelt eines großen Kaufhauses bewegen und gelegentlich einzelne Gegenstände in ihre Taschen stecken. Diese Bilder werden über ein Live-Video-Programm (Max-Jitter) von Steffi Weismann zum Teil verzerrt oder aufgelöst, in Loopsequenzen verarbeitet und im Tempo variiert. Annette Krebs arbeitet in “le vol 1” mit einem musikalischen Set Up von unterschiedlichen Klangquellen, das unter anderem eine elektrische Gitarre mit Präparationen und Pick ups, ein Mischpult und Geräuschsamples von Aussenaufnahmen kombiniert. Die gemeinsam entwickelte Bild-Ton-Komposition hat über einen längeren Arbeitsprozess von einer festgelegten in eine offene Form gefunden. Aus der gegenseitigen Kenntnis ihres Materials improvisieren die beiden KünstlerInnen einen musikalisch-visuellen Dialog, der sich durch unmittelbares Agieren und Reagieren im Live-Spiel auszeichnet.
Im zweiten Teil wird die Performance auf verschiedene Punkte im hellen Raum ausgedehnt. Dabei kommen mehrere Lautsprecher und bewegliche Klangobjekte wie ein Taschenradio, Rasierapparat oder winziger Gitarrenverstärker zum Einsatz. In hart geschnittener Comic-Ästhetik stehen die Aktionen mit den Objekten im Wechsel mit Geräuschen aus gefilterten Computerstimmen und live gesprochenen Texten durch ein Diktiergerät. Eine Diebstahlszene von Jean Cocteau wird mit Dialogen aus japanischen Mangas und eigenen Texten verwoben. Die Musikerinnen werden zu Performerinnen und stilisieren sich im fliegenden Wechsel mit Perücken und anderen Assessoires zu unterschiedlichen Figuren.

Im dritten Teil wird der Bezugspunkt von den Dingen auf die Ideen verlagert. Das Material besteht hier aus Interviews mit Menschen aus verschiedenen Kreativberufen über ihre Erfahrungen mit dem Problemfeld “Copyright / Copyleft”. Von Michel Foucault und Roland Barthes wurde in den sechziger Jahren eine eindeutige Zuordnung des künstlerischen Werks an seinen Schöpfer radikal in Frage gestellt. Ihre Thesen veränderten den Geniebegriff. Weismann und Krebs interessierte, an welchen moralischen Haltungen sich Künstler heute orientieren, wenn sie "fremde" Ideen benutzen, und wie sie damit umgehen, wenn sie selbst von anderen kopiert werden.
Aus den verschiedenen subjektiven Aussagen, die in deutsch, englisch oder französisch aufgenommen wurden, komponierte Annette Krebs ein Hörstück, das Steffi Weismann mit einer Ebene aus mehrsprachigen Textprojektionen ergänzt. Inhaltliche, musikalische und typografische Vorgehensweisen greifen dabei ineinander. Die Stimmen werden gefiltert oder führen durch ihren simultanen Einsatz in die Abstraktion. Auch die Buchstaben lösen sich zeitweilig in fliessende Strukturen auf. Dabei wandert die weisse Schrift nicht nur großflächig über die Rückwand des Raumes, sondern trifff auch auf die Körper der beiden Performerinnen, die sich manchmal in die Projektion stellen. Bestimmte Aussagen erhalten dadurch eine zusätzliche Dimension und unmittelbare Präsenz.